Anthroposophischer Arzt beteiligt an Querdenken-Demonstration in Tübingen

Bei der ersten Querdenken-Demonstration in Tübingen am 23. Mai 2020 sprach u.a. der anthroposophische Arzt Klaus Lesacher aus Tübingen. Lesacher ist auch Schularzt an der Tübinger Freien Waldorfschule.

Reaktionäre Anthroposophie

Bei der Anthroposophie handelt es sich um ein esoterisches Welterklärungssystem, welches Rudolf Steiner vor etwa hundert Jahren aus Versatzstücken der Theosophie bastelte. Im Gegensatz zu der Selbstbehauptung genügt das anthroposophische Bildungssystem oder die anthroposophische Medizin keinen wissenschaftlichen Standards. Allerdings sind z.B. in der Waldorfschulen-Pädagogik reformerische Elemente enthalten, die gegenüber einem autoritären Schulsystem in bestimmten Bereichen einen Fortschritt darstellen. Diese gehen aber weniger auf Steiners Genius zurück, sondern entspringen eher dem gesunden Menschenverstand.

Das esoterische System Steiners lebt von Vorstellungen von „Wurzelrassen“ und „Karma“. Auffällig ist die immer wieder anzutreffende Nähe von Teilen der Anthroposophie zu verschwörungsideologischen Vorstellungen. Verschwörungs-Gurus wie Ken Jebsen oder Daniele Ganser gastieren häufiger in anthroposophischen Einrichtungen. Auch in Tübingen kam es zu derlei Vorkommnissen. So zeigte die „Anthroposophische Gesellschaft Tübingen“ am 11. September 2014  im Tübinger „Rudolf-Steiner-Haus“ den antiamerikanischen Verschwörungs-Film „Loose Change“. Die Pseudo-Dokumentation „Loose Change“ bedient antiamerikanische Verschwörungstheorien, wonach die islamistischen Septemberattentate 2001 von der US-Regierung nur inszeniert worden seien.

Baden-Württemberg gilt als Hochburg der Anthroposophie, die ihr ideologisches Zentrum auch in der benachbarten Schweiz haben. In bildungsbürgerlichen grün-alternativen Kreisen ist die Anthroposophie hoch angesehen. Nicht ohne Grund liegt der linksalternativen „taz“ vierteljährlich  eine anthroposophische Sonderbeilage bei.

Ein Arzt für die Pandemie

Das nun ein anthroposophischer in Tübingen auf einer Demonstration der Corona-VerharmloserInnen sprach, darf somit kaum verwundern. Er sprach bereits auf ähnlichen Demonstrationen in Ehningen am 3. Mai 2020 und in Holzgerlingen am 9. Mai 2020.

Seine Redemanuskripte sind im Internet frei zugänglich auf einer Homepage namens „Initiative Zukunft Deutschlands“, die auf Lesacher angemeldet ist.

In seiner Rede in Ehningen am 3. Mai argumentiert Lesacher, der immerhin Arzt ist, mit einer „Natürlichkeit einer Pandemie“ und führt aus: „Unser Leib wird nur durch die Auseinandersetzung mit Krankheitserregern robust und immunkompetent.“

Die Corona-Pandemie verharmlost er ganz allgemein:

„Als Arzt kann ich Ihnen sagen, es gab sie nie diese Weltviruskrise in unseren Praxen in unserer sogenannten ambulanten Versorgung.“

Statt Wissenschaftlichkeit beschwört er den Glauben als Gegenmittel:

„Finden wir wieder zurück zu einer christlichen Mitmenschlichkeit. Christus hat die Kranken nah an sich herankommen lassen, er hat sich nie gefragt, wie ansteckend sie wohl sein mögen.“

Ähnlich argumentiert Lesacher auch in seiner Rede in Tübingen am 23. Mai. Hier spricht er vom „Krankheitswahn“ und sieht eher eine „Krise unseres Menschseins!“. Zudem spricht er sich gegen das Impfen aus: „Nein! Ich sehe in der Impfung keine Lösung für diese Krise!“

Er erläutert:

„Es ist ein schweres TINA Syndrom, in der Impfung die einzige Lösung einer völlig normalen und sinnvollen Konfrontation der Weltbevölkerung mit einem Atemwegserreger zu sehen. Unser Immunsystem braucht die Auseinandersetzung mit diesen vielfältigen Erregern.“

Auch hier beschwört er wieder den Glauben am Ende seiner Rede:

„Wir dürfen den Glauben an die Unterstützung einer göttlichen Kraft in dieser Krise nicht verlieren!“

Alles in allem wird hier von einer Person mit Doktortittel dem Irrationalismus gehuldigt, statt Medizin und Wissenschaftlichkeit zu vertreten.

Über tuebingenrechtsaussen

Der Watchblog „Tübingen Rechtsaußen“ - ein Bewegungsmelder für rechte Aktivitäten im Raum Tübingen, Reutlingen und Rottenburg Wir wenden uns gegen rechte und reaktionäre Umtriebe in der Tübingen, Reutlingen und Rottenburg und dokumentieren diese kritisch. Egal, ob es um rechtslastige Psychosekten, homophobe FundamentalchristInnen, türkische NationalistInnen, reaktionäre Männerbünde, die RechtspopulistInnen von der AfD oder Neonazis geht. Keine anti-emanzipatorische Gruppe wird von uns ausgelassen.
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